Mit Mut, Entschlossenheit und Bodenständigkeit

175 Jahre: Die IHK Arnsberg hat ihr Jubiläum gefeiert – in herausfordernden Zeiten, aber trotzdem mit guter Stimmung und einem optimistischen Blick nach vorne. 350 Gäste waren der Einladung in das Sauerland-Theater gefolgt, darunter die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sowie DIHK-Präsident Peter Adrian.

Steigende Energiekosten, Fach- und Arbeitskräftemangel, hohe Lohnkosten, Probleme mit der Verkehrsinfrastruktur – vieles drückt derzeit empfindlich auf die Stimmung in der Wirtschaft. Wie kann es da Grund zu Optimismus geben? Der Blick zurück in das Jahr 1851 zeigt: Auch damals standen die Betriebe vor Herausforderungen. Die Wege in der Region verdienten es kaum, Straßen genannt zu werden. Es fehlte die Eisenbahn. Und es war dieser Mangel, der Neues entstehen ließ und aus dem heraus sich Betriebe zusammenschlossen, um ihre Interessen zu vertreten und dafür zu sorgen, dass sich etwas ändert. Das war die Geburtsstunde der IHK Arnsberg. Und das war und ist der Grund, auch heute optimistisch zu sein: Angetrieben von Herausforderungen zeigt sich heute ebenfalls die Stärke der Unternehmen: „Mit Mut, Entschlossenheit, Bodenständigkeit und Innovationskraft begegnen sie Krisen“, sagte IHK-Präsident Andreas Knappstein.

Mit einer guten Portion Humor transportierten die beiden Moderatoren des Abends, Olli Briesch und Michael Imhof, 175 Jahre Geschichte ins Hier und Jetzt: „Was damals die Eisenbahn war, ist jetzt die Glasfaser: Auch heute stehen Menschen an der Straße und warten auf Anschluss.“ Die beiden Radiomoderatoren blickten zurück auf die „Charts“ 1851, „La donna è mobile“ aus der Oper Rigoletto, und auf die damaligen sozialen Medien, wie das Wirtshaus. Und sie blickten im Gespräch mit IHK-Präsident Andreas Knappstein und IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Nolte aber auch auf die heutige IHK. „Wir sind eine lebendige IHK, und das ist den fast 1500 Menschen zu verdanken, die sich ehrenamtlich in Gremien wie Vollversammlung und Ausschüssen engagieren“, betonte Jörg Nolte. Gefragt nach einer „Zwischenbilanz“ nach 175 Jahren zum schlechten Wegenetz, sagte Andreas Knappstein: „Wir lassen nicht locker, da gibt es noch einiges zu tun.“ Er verwies zudem auf den großen Zusammenhalt in der Unternehmerschaft und das hohe Maß an Dialogbereitschaft – das sei in Zeiten globaler Krisen ein hohes Gut: „Die Unternehmen wollen Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein“.

Nicht zuletzt deshalb freute sich Knappstein, an diesem Abend Mona Neubaur im Sauerland-Theater begrüßen zu können: „Wir schätzen den Dialog mit Ihnen, Frau Neubaur, und freuen uns, dass sie heute hier sind“. Und er fügte schmunzelnd hinzu: „Sie sind nicht zum ersten Mal bei uns zu Gast. Unsere Region ist so etwas wie Ihre Wahlheimat geworden.“

Neubaur überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung zum 175. Geburtstag der IHK und bekräftigte dabei, dass sie den Dialog mit den Unternehmen ebenfalls schätze, mehr noch: für unverzichtbar hält. „Sie sind aufmerksam, sie sind ungeduldig, sie sind immer sehr wertschätzend. Wir brauchen eine starke Stimme aus NRW heraus“, so Neubaur mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen. Denn, und das sagte die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin auch unumwunden: „Die nächsten Jahre werden nicht leicht.“ Fach- und Arbeitskräftemangel, die Frage nach stabilen Lieferketten, eine schwache Nachfrage aus dem Ausland und gestiegene Energiekosten belasten die Unternehmen. Umso wichtiger sei der Austausch auf Augenhöhe und das Ringen um Lösungen, „hinter denen wir uns alle versammeln können und für eine stabile demokratische Mitte“. Sie warb für Vertrauen in die Politik und stellte für den Jahresanfang 2027 bürokratische Entlastungen in Aussicht: Künftig entfallen grundsätzlich alle landesrechtlichen Berichts- und Dokumentationspflichten für Unternehmen. Wer Bürokratie behalten wolle, müsse erklären, warum – nicht umgekehrt, so Neubaur.

Eine Aussage, die Peter Adrian gerne gehört haben dürfte, denn gerade das Thema Bürokratieabbau treibt den DIHK-Präsidenten um: Bundeskanzler Friedrich Merz habe er kurz vor seinem Besuch in Arnsberg nachdrücklich auf den dringend benötigten Bürokratieabbau hingewiesen. „Das kostet die Bundesregierung nichts“, sagte Adrian. Für die Betriebe bedeute es aber eine enorme zeitliche und finanzielle Entlastung. In Zeiten, in denen die Belastungen der Unternehmen insgesamt so hoch seien, wie kaum jemals zuvor, könne das große Wirkung entfalten. Adrian richtete auch einen deutlichen Appell an die Politik: „Wir brauchen Verlässlichkeit, denn die Lage in der Wirtschaft ist besorgniserregend.“ Die Privatinvestitionen sind in den vergangenen sechs Jahren um 11 Prozent zurückgegangen, viele Investitionen dienen allein dem Erhalt, 2025 haben zudem 24.000 Betriebe Insolvenz angemeldet, 70 Prozent der Unternehmen benennen die Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. „Wir brauchen schnell verlässliche Rahmenbedingungen“. Nach dem von der Bundesregierung 2025 angekündigten „Herbst der Reformen“ müsse jetzt im Sommer 2026 der Aufbruch folgen. „Ich bin optimistisch, dass uns das gelingen wird“, so der DIHK-Chef.

Den Optimismus trugen an diesem Abend auch die Show-Acts mit: Das JugendJazzOrchester NRW, der Arnsberger Jugendzirkus Fantastello sowie die Fascinating Drums sorgten dafür, dass es eine kurzweilige Feier mit guter Stimmung war.
von Silke Wrona

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Chronik

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Sonderausstellung im
Sauerland-Museum

Eine Region, reich an Wasser, Holz und Metall; Unternehmer, die Ideenreichtum mit Bodenständigkeit verbinden; Betriebe, die heute weltweit erfolgreich sind: Das Jubiläum der IHK Arnsberg ist Anstoß gewesen, genauer auf die wirtschaftlich starke Region Hellweg-Sauerland und ihre Geschichte zu schauen: Das Sauerland-Museum in Arnsberg hat deshalb die Ausstellung „Macherland. Wo Industrie Geschichte schreibt.“ konzipiert. Diese ist vom 18. Juni 2026 bis zum 4. April 2027 zu sehen.